Therapieformen der atypischen Odontalgie

Therapieformen der atypischen Odontalgie
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Die Anzahl der Zahnerkrankungen hat laut Angaben des Zahnärzteverbandes in der jüngsten Vergangenheit erschreckende Ausmaße angenommen. Statistisch gesehen gibt jeder vierte Bundesbürger zu, die Zahnpflege nicht in dem Umfang zu betreiben wie es die Zahnärzte empfehlen und jeder fünfte Bürger hierzulande klagt über ständig-anhaltende Zahnschmerzen. Dieses hat zur Folge, dass die Zahnqualität stetig abnimmt und die Mundhöhle sich zu einem wahren Hort für allerlei Krankheitsbilder entwickelt. So ist beispielsweise die atypische Odontalgie, bis vor Kurzem noch als relativ unbekanntes Krankheitsbild weitestgehend ein Nischendasein fristend, auf einem regelrecht erschreckendem Vormarsch.

Was ist die atypische Odontalgie?

Obgleich die atypische Odontalgie ihre erste medizinische Erwähnung, auch unter dem Namen Phantomschmerz, bereits vor über 200 Jahren hatte, ist sie weitestgehend unbekannt. Es handelt sich jedoch um eine ernste Zahnerkrankung, die sich durch einen neuropathischen Dauerschmerz bemerkbar macht, welcher durch eine atypische Odontalgie Therapie beseitig werden muss.

Was sind die möglichen Ursachen für die atypische Odontalgie?

Die AO kann nach einer Deafferenzierung peripherer trigeminaler Nervenfasern auftreten. Es handelt sich hierbei um eine Nervenreizung, wie sie beispielsweise in Folge einer Wurzelspitzenresektion / Extraktion oder einer Wurzelkanalbehandlung auftreten kann. Auch bei gezogenen Zähnen kann die atypische Odontalgie auftreten. Die Hauptursache ist hierbei eine vorhandene Nervenschädigung bzw. Reizung der Nervenfasern im betroffenen Zahn / dem Areal rund um den betroffenen Kiefernbereich.

Wie wird die atypische Odontalgie diagnostiziert?

Das große Problem, das sich dem Zahnarzt bei dem Phantomschmerz stellt, ist die Tatsache, dass es nicht möglich ist, weder klinische noch röntgenologische pathologische Befunde für die atypische Odontalgie zu erstellen. Der Zahnarzt ist somit nicht in der Lage auf Basis dieser Befunde die Schmerzursache herauszufinden. Somit ist die atypische Odontalgie eine reine Ausschlussdiagnose. Da die atypische Odontalgie jedoch aufgrund der Symptomähnlichkeit durchaus mit einer Pulpitis (Entzündung des Zahnmarks) oder mit einer apikalen Parodontitis (Entzündung des Wurzelspitzen-nahem Gewebes) verwechselt werden kann ist eine exakte Ausschlussdiagnose extremst wichtig damit es nicht zu Fehldiagnosen und daraus resultierenden Fehlbehandlungen kommen kann. Eine atypische Odontalgie Therapie ist jedoch ohne eine großartige Belastung des Patienten ohne Weiteres möglich, sofern es dieses Krankheitsbild einen Entzündungshintergrund hat.

Sollte die Ursache für den Phantomschmerz einen anderen Hintergrund haben ist eine exaktere, ausgiebigere Diagnose von Nöten.

Die atypische Odontalgie Therapie

Wie bereits erwähnt ist es überaus wichtig eine exakte Diagnose zu treffen um fehlerhafte Behandlungen zu vermeiden, da diese (beispielsweise eine vorschnell durchgeführte Wurzelbehandlung oder sogar das Ziehen von Zähnen) den ursächlichen Nervenschmerz nicht verbessern, sondern vielmehr verschlimmern. Hierbei ist ein hohes Maß an Geduld seitens des Patienten gefordert, da die Ausschlussdiagnose zumeist langwierig ist.
Es gibt bei der atypischen Odontalgie mehrere Therapiemöglichkeiten, wobei der Zahnarzt in Abstimmung mit dem Patienten zunächst die Therapieform wählen sollte, welche für den Patienten am schonendsten und somit am leichtesten zu verkraften ist. Am häufigsten wird hierbei zunächst erst einmal die atypische Odontalgie Therapie auf Medikamentenbasis gewählt.

Bei der medikamentösen atypischen Odontalgie Therapie wird mittels der Verabreichung eines trizyklischen Antidepressivums in niedriger Dosierung versucht, eine Verbesserung der Schmerzsymptome zu erreichen. Auch der Einsatz von Capsaicin über einen Zeitraum von vier Wochen (bei einer Einnahme von vier Einheiten pro Tag) gilt als gute Möglichkeit die AO zu therapieren. Dieses kann sowohl in Verbindung mit einem Oberflächenanästhetikums als auch das Oberflächenanästhetikums zur alleinigen Behandlung geschehen. Sollte die medikamentöse Behandlung keine nennenswerte Linderung für den betroffenen Patienten erzielen, gibt es noch die Möglichkeit einer Therapie auf schmerzpsychologischer Basis.

Gerade für Betroffene, die einer medikamentösen Behandlung eher ablehnend gegenüberstehen ist die atypische Odontalgie Therapie auf schmerzpsychologischer Basis sehr empfehlenswert, da diese ebenfalls gute Aussichten auf eine dauerhafte Heilung versprechen. Diese Therapieform sollte jedoch ausschließlich durch einen auf Schmerzdiagnostik-/Therapie spezialisierten Psychotherapeuten bzw. einen klinischen Psychologen durchgeführt werden, welcher dem Patienten die erforderlichen Grundlagen vermittelt bzw. diesen auf seinem Heilungsweg begleitet.

Neben Entspannungstherapien gibt es zwei Identikatoren für die weiterführende atypische Odontalgie Therapie:

  • Das Vorliegen einer psychiatrischen Diagnose, welche nach einem anerkannten Klassifikationssystem gestellt wurde.
  • eine dauerhafte Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens aufgrund mangelnder Schmerzbewältigungsfähigkeiten.

Die weiterführende atypische Odontalgie Therapie bietet hierbei weitere Ansätze, die dem Betroffenen abschließende Linderung verschaffen sollen. Im kognitiven Ansatz erlernt der Patient Schmerzbewältigungstechniken, welche zu einer Verbesserung der Eigenkontrolle über den Schmerz herbeiführen sollen.

Im operanten Ansatz soll eine Änderung des dysfunktionalem Schmerzverhaltens und deren Ursache erlernt werden und im parapsychologischen Ansatz werden Entspannungsverfahren und verbesserte Stressbewältigung vermittelt, welche den gewünschten Erfolg bringen sollen.

Wichtig ist es, wie bei jedem anderen Schmerzsymptom auch, den Gang zum Arzt nicht aufzuschieben, da – gerade die atypische Odontalgie – sich nicht von alleine heilt!